Die Apotheken-Umschau1 hatte kürzlich den ultimativen Tipp fürs Abnehmen parat: „Einfach zusehen, dass man nicht mehr zunimmt.“ Aha. So einfach ist das also.
Mal ganz ehrlich: Abnehmen ist nicht leicht, sonst könnte es jeder. Außerdem gäbe es nicht so viel Literatur dazu.2 Die braucht es aber tatsächlich nicht. Was es braucht, ist ein Ziel, ein Wille und diese sechs einfachen Schritte.
Mein Ziel war es, den BMI wieder in den „grünen Bereich“ zu bringen. Das waren minus 10 kg! Es war klar, dass das nicht „über Nacht“ gehen würde, jedenfalls nicht ohne „Jojo-Effekt“. Zu meinem Ziel gehörte damit auch, das neue Gewicht, wenn ich es erreicht haben würde, auf Dauer zu halten.
Zu einem Ziel gehört ein Zeitpunkt. Meine Zeitvorgabe war ganz einfach: Gar keine. Ich wollte einfach nur in endlicher Zeit das Ziel erreichen.
Nach einem halben Jahr stellte ich fest, dass ich pro Monat ein Kilo abgenommen hatte und veränderte meine Zeitplanung entsprechend. Ab jetzt wollte ich genau so weitermachen. Damit würde ich mein Ziel (minus 10 kg) in zehn Monaten erreicht haben.
An diesem Punkt stellte ich überrascht zweierlei fest: Erstens war das Abnehmen wesentlich leichter als gedacht, und zweitens hatte ich in der ganzen Zeit nie wieder zugenommen, das Gewicht also nachhaltig gesenkt.
Was hat nun für mich gewirkt? Hier die Liste zum Ausdrucken und Abhaken:
Warum klappte das?
Der Weg ist das Ziel, heißt es. Oder: Als ich mich auf den Weg machte, hatte ich eigentlich keinen Plan. Ich wollte abnehmen. Ich wollte weniger Alkohol trinken. Ich wollte Zucker reduzieren. Nach und nach merkte ich, dass ich unwillkürlich auf dem richtigen Weg war. Die sechs Schritte habe ich Schritt für Schritt jeweils nach einem Monat hinzugenommen, und erst bei Schritt vier wurde mir klar, dass dies inzwischen ein System geworden war.
Hier nun etwas Hintergrund zu meinem „sechsfachen Weg“:
Kein Alkohol: „Ich trinke nur im Dienst.“ Es bleibt nicht aus, dass man bei der Arbeit ab und zu mal „anstoßen“ muss. Solange man danach noch Autofahren kann, wenn man Autofahren muss, ist das in Ordnung. Alkohol als Kalorienträger par excellence ist zuhause aber seit über einem Jahr tabu. Wir haben nicht mal eine Flasche Bier (oder Wein) im Haus. Ersetzt haben wir den Beruhiger am Abend durch eine breite Palette Kräutertees. Es gibt eine große Auswahl, und der angenehme Nebeneffekt ist, dass der Tee zudem entschlackend wirkt. Schlafstörungen, die Alkohol oft ausgelöst hatte, sind passé, und am nächsten Morgen wacht man deutlich fitter wieder auf. Last but not least ist Tee viel billiger als Bier!
Kein Zucker: Sugar kills ist die dramatische Botschaft, an der man auf Youtube kaum vorbeikommt, wenn man sich mit Zucker und Ernährung befasst. Ich hatte zuvor bemerkt, dass Zucker im Kaffee die Wirkung des Koffeins verstärkt und angefangen, Kaffee auf „türkische Art“ zu trinken: Schwarz, heiß, süß.3 Dann wollte ich wissen, wie sich das auf mein Gewicht auswirken würde, und bin über den eingangs genannten Beitrag gestolpert. Zucker wird darin langfristig für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs verantwortlich gemacht.
Nun kann man Zucker nicht gänzlich vermeiden. In vielen Lebensmitteln ist er unverzichtbarer Bestandteil, z. B. ist keine Marmelade ohne Zucker überhaupt herstellbar. Und: „Zucker macht das Leben süß.“4 Ein wenig Zucker ist daher durchaus erlaubt, sonst wird man ja sauer … (sorry).
Andererseits ist Zucker oft vermeidbar: In Kaffee und Tee sowieso (in Tee stört er meist ohnehin den Geschmack), gesüßte Soft-Drinks kann man vermeiden, ansonsten Zucker minimieren. Ob’s der Gesundheit direkt nutzt, oder einfach nur die Kalorienzufuhr vermindert: „Kein Zucker“ heißt bei mir „kein zusätzlicher Zucker“ und hilft ungemein!
Keine Snacks: Schokolade aber erlaubt. Keine Snacks, das heisst für mich vor allem: Kein Naschen zwischen den Mahlzeiten, keine Zwischenmahlzeiten für den „kleinen Hunger zwischendurch“. Neben Süßigkeiten sind auch die typischen salzigen Snacks, die man sonst unkontrolliert beim Fernsehen zu sich nimmt, verboten. Anstelle eines aufwändigeren Nachtisches jedoch einen Riegel Schokolade: Das muss sein. Übrigens könnte Schokolade sogar gesund sein …
Kein Mittagessen: Ein Kollege aß mittags nie. „Wie hält er das nur aus?“ fragte ich mich lange. Inzwischen weiß ich: Ab 40 ist das gar nicht mehr so schwer. Der Körper braucht deutlich weniger Kalorien. Man setzt deutlich schneller an. Irgendwo muss man also Abstriche machen.
Am einfachsten geht das, wenn man bei der Arbeit den Zustand des „Flow“5 erreicht. Völlig vertieft spürt man weder Zeit noch Hunger. Trinken nicht vergessen! Aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Ohne Mittagessen auch kein Mittagstief! Zwar sinkt mit der geringeren Energieverfügbarkeit auch ein wenig die Leistungsfähigkeit, andererseits zieht das weniger herunter als die mittägliche Verdauungstätigkeit. Für mich ist es nicht möglich, Mittags nur wenig zu essen: Ich kann mich dann nicht mehr zügeln. Völliger Verzicht auf Nahrung (Ausnahme: Ein Apfel) und viel Tee und Wasser helfen mir andererseits gut über den Tag.
Die Kehrseite ist ein um die Mittagszeit starkes Hungergefühl, das am frühen Nachmittag abflacht und gegen frühen Abend zu einem Heißhunger wiedererwacht. Hiermit muss man klarkommen, aber ich habe gemerkt, dass ich mich daran gewöhnen kann.
Im Rahmen verschiedener Diäten (Atkins, Paleo) wird das Hungern sogar durchaus empfohlen. Hintergrund ist, dass der Körper – vereinfacht gesagt – von Kohlenhydratverbrennung auf Fettverbrennung umstellt. Wieviele Stunden man dazu nichts (oder keine Kohlenhydrate) essen muss, ist mir noch nicht endgültig klar und vielleicht auch nicht richtig erforscht. An verschiedenen Stellen im Netz habe ich von „mehreren Tagen“6 und „10 bis 12 Stunden“7 gelesen.
Problematisch wird der Heißhunger am Abend natürlich, wenn man die mittägliche Fastenzeit durch ein übermäßiges Abendessen überkompensiert. Hier heißt es aufpassen, aber selbst wenn ich ab und zu (gerade am Anfang) über die Stränge geschlagen sein sollte, hat es doch insgesamt das Ziel nicht gefährdet.
Keine Kohlenhydrate: Paleo wirkt! Nachdem ich mit den bis hierher beschriebenen Maßnahmen 6 kg abgenommen hatte, versuchte ich – typisch deutsch – das von mir eher intuitiv Angewandte zu systematisieren. Gab es da vielleicht schon einen Namen für? Tatsächlich kam mein neuer Lebens- und Ernährungsstil der schon seit einigen Jahrzehnten in den USA (wo sonst?) propagierten und inzwischen auch hierzulande ansatzweise populären Paleo-Ernährung recht nahe.8 Aber oh weh: Da fehlte mir noch eine ganze Ecke! Ich sollte nicht nur auf Zucker und das Pausenbrot, sondern am besten ganz auf Kohlenhydrate verzichten. Also auch auf Müsli, Brötchen und Käsebrot. Und Kartoffeln.
Ich habe keinen Zweifel, das das Prinzip funktioniert. Zum einen erhalten wir bestimmt genügend Kohlenhydrate über unsere tägliche Nahrung, selbst wenn wir auf Brot verzichten. Möglicherweise hat der Verzicht oder die Minimierung von Kohlenhydraten auch einfach nur den Effekt einer partiellen Unterernährung. Jedenfalls ist das für mich nicht akzeptabel: Nicht nur ich, auch der Rest der Familie müsste seine Ernährungsgewohnheiten komplett umstellen.
Allerdings reduzieren wir alle gemeinsam nun die Zufuhr von Kohlenhydraten. Frühstück ohne Brot und Müsli ist undenkbar. Aber das „Abendbrot“ gibt es in der klassischen Form immer seltener.
Mehr Sport: Zu Fuß gehen, Treppen gehen, Sport treiben. Die Jahreswende brachte mit neuen Vorsätzen schließlich die Abrundung des hier dargestellten Programms: Mit 6 kg weniger fiel der Wiedereinstieg in regelmäßigen Sport deutlich leichter, und der Sport hilft seitdem dabei, weiter schlank zu bleiben. Und Spaß macht es obendrein.
Seit Januar gehe ich also regelmäßig, d. h. nach festem Terminplan schwimmen, und habe dabei auch einen festen Trainingsplan. Ich sehe schon, dass das nächste Ziel, wenn der BMI dauerhaft im „grünen Bereich“ angekommen ist, die Erhöhung der Fitness, der Aufbau von Muskeln, Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit ist. Was ich vor Jahren für unmöglich hielt wird nun tatsächlich wahr: Ich werde jeden Tag jünger!
Wie eingangs gesagt, zum Abnehmen braucht es vor allem Willenskraft. Letztendlich muss man über eine lange Zeit weniger Kalorien zu sich nehmen als man verbraucht, und schließlich dauerhaft seine Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten umstellen. An manches gewöhnt man sich schnell und gerne (wie den Verzicht auf Alkohol und Zucker), manches bleibt schwer (wie der Verzicht aufs Mittagessen). Die Beweglichkeit und Sportlichkeit, die man dabei zurückgewinnt, sind es aber allemal wert.
Siehe hier. Quintessenz: Kalorienarme Füllstoffe essen. Und: Fett macht fett. Mein Tipp: Besser nicht lesen. ↩
Weil ich mal sehen möchte, wieviele Klicks ein Artikel zum Abnehmen hier generiert, erweitere ich die Menge sinnloser Diät-Tipps selbst noch ein wenig. – Im Ernst: Ich bin in letzter Zeit oft gefragt worden, wie ich „das gemacht“ habe. Hier also mein Rezept zum Nachlesen. Ob es für jeden wirkt? Ich sage nicht, dass ich es empfehle! ↩
Genauer: „Schwarz wie die Nacht, heiß wie die Hölle und süß wie die Liebe.“ ↩
Siehe diesen Artikel in Der Freitag. ↩
Einen guten Einstieg gibt die Seite Paleosophie. ↩
Christian Lindner (FDP) ruft vom Wahlplakat in NRW: „Schulen besser machen und nicht gleicher“. Mit inzwischen 18-jähriger Schulerfahrung (die eigene Schulzeit mit- und die der Kinder einzeln gerechnet) ist das für mich kein Satz, dem ich leicht zustimmen könnte.

Warum? Analysieren wir:
„Schulen besser machen“: Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Angesichts sinkender Schülerzahlen sollte dies auch leicht umzusetzen sein. Im Prinzip braucht man „nur“ die Budgets konstant zu halten, und es ist mehr Geld für jedes Kind da. Ich beobachte auch, dass die Schulen tatsächlich, wenn auch langsam, besser werden. Und man braucht nicht einmal tatsächlich unbedingt mehr Geld dazu: Die Lehrer werden im Durchschnitt jünger, sind dementsprechend „moderner“ ausgebildet und oft motivierter. Die Schulkonzepte wandeln sich unübersehbar, Schule wird demokratischer, flexibler, integrativer und individueller. Es ist noch ein weiter Weg, bis alle Schulen „besser gemacht“ sind, aber wir sind unterwegs – insofern fordert die FDP hier nichts wirklich weltbewegend neues, aber auch nichts schlechtes.
„Schulen nicht gleicher machen“: Hier wird’s schwierig. Offensichtlich wird hier auf die über 30-jährige Debatte um Gesamtschule versus dreigliedriges Schulsystem angespielt. Dabei ist diese Frage bildungswissenschaftlich längst überholt (was an anderer Stelle ausführlich darzustellen wäre) und auch politisch kein kontroverses Thema mehr. Zugespitzt geht es um die Erhaltung der Gymnasien und eine vermeintliche Eliteförderung. Die heutige Regierung in NRW hat aber vor einem Jahr den Gymnasien ihr Fortbestehen zugesichert, und die CDU-Opposition hat wenig später endlich auch Gesamtschulen grundsätzlich als Teil des Bildungssystems anerkannt. Mir scheint, die FDP kann sich hier weder von der SPD, noch von der CDU absetzen. Worauf will die FDP also hinaus?
„Schulen besser nicht gleicher machen?“: So könnte man den Slogan auch lesen, wenn man ihn etwas verkürzt und das Komma unterschlägt, das hier hingehörte. Vielleicht kommt man damit dem Kern der FDP-Forderung recht nahe.
Wenn dem so wäre, müsste ich energisch widersprechen – aber auf einer ganz anderen als der gemeinten Ebene. Ich habe in 18 Jahren Schulerfahrung zehn Schulen in vier Bundesländern kennengelernt, die unterschiedlicher nicht sein konnten, auch innerhalb gleicher Schularten, und das, obwohl sie allesamt staatliche Schulen waren. Für Kinder, die – aus welchen Gründen auch immer – die Schule wechseln, besonders, wenn sie in ein anderes Bundesland gehen, sind diese Unterschiede – vor allem im Lehrplan, aber auch in der Didaktik – kaum zu verkraften. Es wäre ein großer Schritt getan, wenn es hier Angleichungen gäbe. „Schulen gleicher machen“ wäre insofern der beste Weg, Schulen „besser“ zu machen. Sicherlich, dies wäre ein Auftrag an die Kultusministerkonferenz, kein Anspruch an eine Landespartei. Aber selbst innerhalb eines Bundeslandes könnte mehr Koordination zwischen den Schulen und einheitlichere Lehr- und Lernpläne schon großes bewirken. Bitte sagen Sie es doch der FDP, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
„Wissen als Produktions- und Wirtschaftsfaktor wird immer wichtiger“, schreibt Microsoft in einem Artikel zum Thema Geistiges Eigentum. Damit ist exemplarisch definiert, worauf es heute in der Gesellschaft angeblich ankommt. Der Begriff der Wissensgesellschaft, so die Wikipedia fokussiert darauf, „dass das gesellschaftliche Leben in zunehmendem Maße durch die Ressource Wissen bestimmt wird“.
Unsere Schulen sind besessen davon, den Kindern „Wissen“ zu vermitteln. In einem jeglichen Unterrichtsfach gibt es ausführliche Lehrpläne, die nichts anderes als den „Stoff“ vorgeben, der innerhalb einer gewissen Zeit „vermittelt“ werden muss. Die Bewältigung dieses Stoffes gelingt häufig genug nur noch durch Auswendiglernen. Und schließlich sind die Prüfungen immer häufiger mehr auf die „Abfrage“ des Stoffes ausgerichtet denn auf die Überprüfung, ob dieser verstanden wurde. Mir sind Fälle bekannt, in denen in Mathearbeiten schlecht bewertet wurden, weil – trotz richtigen Endergebnisses – nicht der „vorgegebene“ Lösungsweg eingehalten wurde. Und hierbei ging es schlicht um Dreisatzaufgaben (3. Klasse), und nicht um Beweise, in denen der formale Weg tatsächlich vorgebeben ist.
Aber was nützt unserer Gesellschaft das Wissen des Einzelnen? Kommt es angesichts schier unendlichen Wissens in den Datenbanken des Internets überhaupt noch so sehr darauf an, dass unsere Schüler ein bestimmtes Wissen erlangen? Setzen nicht sogar umgekehrt die Unternehmen der Wirtschaft alles daran, das Wissen ihrer Mitarbeiter aus ihnen herauszulösen und in Wissensmanagementsystemen für das Unternehmen nutzbar – und den einzelnen Mitarbeiter austauschbar – zu machen?
Ich kenne Grundschüler, die ein erstaunliches Wissen über alle möglichen Dinge des Lebens angehäuft haben (vermutlich über die in der Überschrift oben bezeichnete TV-Sendung). Andererseits scheitern sie bei einfachen Matheaufgaben, deren Lösung ein neues Denken jenseits vorgegebener Rechenwege erfordern würde.
Meine Einschätzung: Gute Noten in Sachkunde allein reichen nicht, wenn die Fähigkeit, Probleme kreativ zu lösen, nicht gefördert wird. „Wissen, wo es steht“ ist der erste Lehrsatz nicht nur im Jurastudium. Angesichts der fast sofortigen Verfügbarkeit allen möglichen Wissens im Internet ist es viel wichtiger, denken, urteilen, unterscheiden, bewerten und neu entwickeln zu können.
Bundespräsident a. D. Horst Köhler hat vor vier Jahren „Deutschland, Land der Ideen“ ausgerufen. Wären wir eine „Ideengesellschaft“, wie viel besser könnte es uns gehen. Allein, dazu müsste man wieder in den Schulen anfangen. Und meine Befürchtung ist, dass, vorsichtig gesagt, die Strukturen hierzu nicht ausreichend entwickelt sind. Als einzige Hoffnung für Schüler, die nicht gern auswendig lernen, bleibt, dass sie – das kann ich mittlerweile aus Erfahrung sagen – ihren Schulstoff später nicht mehr brauchen werden und sie auch nach ein paar Jahren niemand mehr nach ihren Schulnoten fragt. Einzig das eigenständige Denken sollten sie sich um alles in der Welt bewahren!
Sehr geehrter Herr Cichowicz,
es tut mir leid, Ihnen dies sagen zu müssen, aber Ihre Kommentar zum Tod von Steve Jobs in den Tagesthemen vom 06.10.2011 war niveaulos. Sie würdigen die Lebensleistung dieses großartigen Unternehmers auf die Formel herab, er habe den Kunden mit viel Marketing-Brimborium überteuerte Geräte angedreht und sie zudem noch an sie und Apple gefesselt.
Apple wurde mit dem iMac groß — dem ersten Personal Computer, den sogar mein Vater bedienen konnte. Ohne die Unkompliziertheit und die Zuverlässigkeit hätte nie ein Apple-Produkt Kultstatus erreichen können. Steve Jobs hat weder den PC, noch den MP3-Spieler, noch den Tablet-Computer erfunden. Aber er hat die ersten Produkte dieser Art auf den Markt gebracht, die wirklich funktionieren und den Kunden genau das bieten, was sie verprechen.
Zeigen Sie mir einen Laptop, einen Tablet-PC, ein Telefon, einen MP3-Spieler, der wirklich vergleichbare nutzbare Leistung bringt, vergleichbare Produktionsqualität, ein vergleichbares “Ökosystem” von Apps und Zubehör, kurz, ein wirkliches Konkurrenzprodukt zu einem geringeren Preis. Sie werden keins finden!
Lasse ich mich gern von dieser Welt gefangennehmen? Ja. Weil es funktioniert. Und weil es keine Alternative gibt, die mich nicht binden würde. Google forscht mich aus und bietet auch “nur” Android Apps, Amazon ebenso, letzterer bindet mich nicht minder an seinen Shop als Apple an iTunes und den App Store. Jahrzehntelang, bis der Macintosh kam, gab es keine wirkliche Alternative zu Microsoft und Windows: Schon vergessen?
Ich schreibe diese Zeilen auf einem MacBook Air. Ich könnte Ihnen auch mit Füller auf Papier schreiben. Das schöne Gefühl, ein Werkzeug in der Hand zu haben, das genau richtig für den Job ist, habe ich bei beiden Schreibgeräten.
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Freitag
Herrn Cichowicz hat darauf per E-Mail an mich am 11.10.2011 wie folgt geantwortet:
Sehr geehrter Herr Freitag,
vielen Dank für Ihr mail zum Kommentar “Steve Jobs” in den tagesthemen !
Auch wenn Sie darin Ihre ablehnende Meinung bekundet haben, freue ich mich über das Feedback und respektiere Ihre Meinung. Nichts anderes ist auch der Kommentar in den tagesthemen - eine Rubrik mit der persönlichen Meinung eines Journalisten bzw einer Journalistin. Wie in einer Zeitung. Schade, dass Sie meine Meinung als niveaulos empfunden haben.
Mir ging es darum, daran zu erinnern, dass Steve Jobs bei allem Respekt und allen Verdiensten kein Heiliger war - auch wenn er sich gelegentlich fast so inszenieren ließ - sondern seine Firma Apple ganz auf Gewinnstreben ausrichtete. Das kann man doch für kritikwürdig halten. Jedenfalls ist Jobs, anders als etwa Bill Gates mit dem vergleichbar dominierenden Microsoft, nicht als Wohltäter der Menschheit aufgefallen. Ich halte die zur Schau gestellte Verehrung daher für übertrieben.
Der Mann selbst hat eine faszinierende Lebensgeschichte und unser Verhalten, den Umgang mit Computern, Musik und Telephonen verändert. Er hat nichts wirklich neu erfunden, aber genial weiterentwickelt. Das gestand ich auch in meinem Kommentar zu: “Apple steht für digitale Revolution”. Ob Apple auch ohne Jobs erfolgreich bleibt, werden wir sehen - ich glaube es nicht. Die Leute werden plötzlich feststellen, dass manches zwar schön, aber zu teuer und eventuell überflüssig ist. Wie gesagt
Ich selbst arbeite übrigens mit iPad und iPod.
Und die ARD ist, zum Glück, vielfältig wie ihre Zuschauerinnen und Zuschauer: als Jobs vor etwa drei Wochen aus dem Unternehmen ausschied, hat ihn ein anderer Kommentator in den tagesthemen zum iGod erhoben!
Bleiben Sie uns also bei aller Kritik bitte gewogen!
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Cichowicz
Die Erzieherinnen im Kindergarten unserer Wahl1 haben ein Problem: Die Eltern. Die meisten wissen nämlich gar nicht, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben, und was sie ihnen beibringen sollten. Das müssen die Erzieherinnen tun.
Zum Beispiel gesundes Essen: Wie viele Kinder bringen Nutellabrote mit! Oder gar Süßigkeiten! Da bleibt einem ja die Milchschnitte im Halse stecken! Also wurde kurzerhand eine spielerische Erziehungsmaßnahme eingerichtet: Die Kinder haben in der vergangenen Woche gemeinsam Bilder von Lebensmitteln auf rote, gelbe und grüne Plakate geklebt. Danach wusste unsere Tochter sehr genau, was sie alles nicht mehr essen durfte. Und ass nichts mehr.
Zum Beispiel Zahlen: Wäre es nicht sinnvoll, dass Kinder im letzten Kindergartenjahr ein gewisses mathematisches Verständnis hätten? So bis zehn? Also lernen unsere Kinder nun, Zahlen zu schreiben – d. h. Ziffern. Vorige Woche fingen sie an, die „1“ zu schreiben, diese Woche ist die „2“ dran. Alle Ziffern werden fein säuberlich in Rechenkästchen geschrieben, immer und immer wieder. Dass die meisten Kinder damit motorisch total überfordert sind, dass man besser mit einfachen Schwungübungen angefangen hätte: geschenkt. Aber leider verbinden die Kinder auch nach einer Woche der kalligrafischen Höchstleistungen mit den erlernten Ziffern noch immer nicht wirklich die damit gemeinte Menge.
Zum Beispiel Verkehrserziehung: Nach den Vorstellungen der Erzieherinnen soll ein Verkehrsübungsplatz — genauer eine Bobbycar-Rennbahn – auf dem Kindergartengelände entstehen. Weil nur wenig Platz ist, kann nur eine „Einbahnstraße“ gebaut werden, diese soll entsprechend beschildert werden. Trotzdem soll es in dieser Straße einen Bürgersteig, einen Zebrastreifen und dergleichen mehr geben. Alles hübsch in die Grünanlage eingebettet. Ob diese Retorte tatsächlich etwas für ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr bringen wird? Ich bezweifle es.
Die Liste ließe sich fortsetzen. Schade ist, dass allen diesen gut gemeinten Maßnahmen Konzept und Sachverstand fehlt.2 So ist die der Einteilung rot/gelb/grün zugrundeliegende Theorie von gesunden und ungesunden Lebensmitteln alles andere als wissenschaftlich haltbar.3 Ein Mengenverständis als Grundlage eines Zahlen- und Mathematikverständnisses wird nicht geübt. Und dass die umliegenden Kindergärten ihre Bobbycar-Bahnen allesamt nicht wieder bauen würden, weil sie kaum genutzt werden, wird bei der Planung auch ignoriert.
Das Bild der Erzieherinnen aber, nach dem sie es besser wissen als die Eltern der ihnen anvertrauten Kinder, kann durch sachliche Kritik aus der Elternschaft leider nicht erschüttert werden. Entsprechende Einwände werden als „Nörgeln“ empfunden.
Im Ergebnis bleibt uns dann leider nichts anderes übrig, als unseren Kindern nachmittags die vormittägliche „Erziehung“ wieder abzuerziehen. Damit wir einer Eßstörung vorbeugen. Damit sie richtig Rechnen lernen. Damit sie nicht vom Trecker überfahren werden.
Die EU sei undemokratisch ist eine häufig geäußerte Kritik. Beispielsweise gebe es keine echte Gewaltenteilung zwischen Legislative und Verwaltung, die Rechte des Europäischen Parlaments seien zu eng beschnitten — beispielsweise hat es nicht das Initiativrecht für Gesetzesvorhaben — und das ganze System sei zu intransparent. Auch das Fehlen einer Verfassung wird oft kritisiert.

All’ diese Kritikpunkte gehen am Kern der Sache aber vorbei. Denn die EU ist kein eigener Staat. Vielmehr führt ihre Konstruktion als Staatengemeinschaft zu einer Ultra-Demokratie, in der fast alles einstimmig verabschiedet werden muss. Und die Komplexität der Brüsseler (und Straßburger) Institutionen mit ihrem vielfältigen Rat- und Dokumentenaustausch führt zu einer Art Ultra-Transparenz, die für den Uneingeweihten treffend mit dem Satz “Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht” umschrieben werden kann.
In einer losen Reihe von Artikeln werde ich hier auf wesentliche Konstruktionsmerkmale der Entscheidungsfindung in der EU eingehen.
Zu Beginn gleich in Sprung ins kalte Wasser: Nach dem Vertrag von Lissabon ist das Mitentscheidungsverfahren zum Regelverfahren der europäischen Gesetzgebung geworden. Das Europäische Parlament kann nun in fast allen Bereichen die Gesetzesvorschläge der EU-Kommission ändern oder ablehnen. So müssen bei fast allen Rechtssetzungvorhaben der EU Rat, Kommission und Parlament zusammenarbeiten. Im Endeffekt läuft dies faktisch auf eine Einstimmigkeit der Positionen der nationalen Regierungen, der EU-Verwaltung und der Vertretung der Bürger der EU hinaus.
Wie nicht anders zu erwarten, ist eine solche Einstimmigkeit nicht leicht auszuhandeln. Bisher gab es das Mitentscheidungsverfahren nur in wenigen Rechtsgebieten der EU (u. a. Verbraucherschutz). Zur Vorbereitung und zum informellen Austausch hatten sich Verfahren und Gremien entwickelt, die paritätisch von Mitarbeitern aus den drei Organen besetzt waren — die sogenannte Komitologie. Die sozusagen flächendeckende Einsetzung des Mitentscheidungsverfahrens erfordert nun die Etablierung entsprechender Gremien und Verfahren für alle Politikbereiche. Und genau davon hat in Brüssel fast ein Jahr nach Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon und drei Jahre nach dessen Unterzeichnung noch niemand wirklich einen Schimmer.
Ein erster Aspekt des Demokratie- und Transparenzdefizits der EU besteht also darin, dass die eigentlichen Verwaltungverfahren zur Aushandlung und Umsetzung von EU-Gesetzgebung ganz allgemein bis heute nicht verlässlich niedergelegt sind. In Brüssel sprechen derzeit alle mit allen, irgendwie. Diese schlechte Vorbereitung der Gesetzgebung zeigt schon erste Beispiele schlechter oder verzögerter Rechtssetzung: Die erste Lesung der Lebensmittelinformationsverordnung im Europäischen Parlament musste vor der Sommerpause im vergangenen Jahr vertagt werden. Das Verfahren wurde praktisch neu aufgerollt, da nach der Sommerpause ein neu gewähltes Parlament und eine neue EU-Kommission sich in die Materie einlesen mussten. Beim ersten Anlauf hatte es zudem über 1000 Änderungsvorschläge gegeben; beim zweiten Anlauf waren es noch über 500.
Das EU-Parlament ist nicht undemokratisch – nur ein wenig schwer zugänglich. So ist ein Besuch jederzeit möglich, aber nur für Personen ab 14 Jahren. Unsere Grundschulkinder durften auf ihrer Klassenfahrt nach Brüssel daher nicht hinein.
Familienministerin Kristina Schröder formuliert, was — wenn es klug eingefädelt wäre — eine Strategie der Kanzlerin sein könnte: Die „alte Riege“, Friedrich Merz, Roland Koch, Dieter Althaus, Ole von Beust usw. sind „weg“. Nun ist Platz für den Nachwuchs. Frau Schröder hat auch gleich ein paar parat: Ursula von der Leyen, Norbert Röttgen und Thomas de Maizière, Niedersachsens Ministerpräsidenten David McAllister und die Spitzenkandidatin für Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner.

Das wäre alles in allem eine passable Mannschaft. Und der notwendige Generationenwechsel in der CDU wäre damit ebenfalls so abrupt und unverhofft vollzogen wie in der deutschen Fussballnationalmannschaft. Wie gesagt, wenn eine Strategie dahinter wäre.